Wenn Farben räume öffnen

Die Klassen 3b und 4c besuchten eine Ausstellung von Nicole Bold im Städtischen Museum Engen

Einen ganz besonderen Vormittag erlebten die Klassen 3b und 4c beim Besuch der Ausstellung „wenn wir uns nicht beeilen, ist es weg“ der Künstlerin Nicole Bold im Museum Engen. Statt nur fertige Bilder zu betrachten, tauchten die Kinder tief in den Entstehungsprozess zeitgenössischer Kunst ein. 

Schon zu Beginn wurde klar: Hier geht es nicht um das bloße Abbilden von Häusern oder Autos. Kulturamtsleiterin Eva Maria Berger führte die Kinder an die abstrakte Malerei heran und erklärte, dass in jedem Farbverlauf eine „ganze Welt“ stecken kann, die man mit Fantasie entdeckt. Das Ziel der Exkursion war es, den Kindern das Museum als einen lebendigen Ort der Entdeckung näherzubringen. 

Besonders spannend fanden die Schülerinnen und Schüler auch die Arbeitsweise der Künstlerin. Nicole Bold malt nicht an der Staffelei, sondern legt die Leinwand auf den Boden und bewegt sich um das Bild herum. Die Kinder beobachteten fasziniert, wie durch Bewegung und Tropftechniken Farbspuren entstehen, die den Blick in verschiedene Richtungen lenken. „Nicole Bold malt keine Landschaften, sondern Räume“, erklärte Eva Maria Berger. Manche Stellen wirken scharf, andere verschwommen – fast so, als könne man durch das Bild spazieren gehen.

Anschließend durften die Kinder selbst auf Entdeckungsreise durch die Ausstellung gehen. Ihre Aufgabe war es, in den Bildern Formen zu entdecken – vielleicht eine Wolke, ein Blatt oder eine Pflanze – und sich eigene Titel für die Kunstwerke auszudenken. Dabei zeigte sich schnell, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen sein können: Ein Bild konnte gleichzeitig an einen Wald, einen Sturm oder sogar an „Erdbeereis im Wirbelsturm“ erinnern.

Nach einem gemeinsamen Austausch über ihre Beobachtungen wurden die Schülerinnen und Schüler schließlich selbst zu Künstlerinnen und Künstlern. Inspiriert von den Bildern von Nicole Bold gestalteten sie eigene Werke und experimentierten mit Farben, Formen und Bewegungen.

Zum Abschluss wurden alle entstandenen Kunstwerke auf dem Boden ausgelegt. Bei einem kleinen „Museumsgang“ gingen die Kinder gemeinsam durch die Ausstellung ihrer eigenen Bilder und erzählten etwas über ihre Ideen und Eindrücke. So wurde das Museum für einen Moment zu einer Galerie voller junger Künstlerinnen und Künstler.

Dass das Museum für einen Vormittag zur lebendigen Werkstatt wurde, ist dem Engagement des Kulturamts zu verdanken. Es wurde gezeigt, dass moderne Kunst kein abstraktes Rätsel sein muss, sondern ein Handwerk, das den Horizont erweitert und zum Mitmachen einlädt.